Ausgabe Nr. 2/2024

 

 

Themenheft "Kritische Alltagsforschung"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt
Aufsätze

Die nicht-institutionelle Logik und das kritische Potential der Alltagsperspektive

Johannes Stehr

Der Beitrag diskutiert das kritische Potential der Alltagsperspektive als einer nicht-institutionellen Logik, die der Logik der Institution Verbrechen & Strafe Grenzen setzt und aus der sich eine andere – nicht an Verbrechen & Strafe orientierte – Praxis ergibt. Diese andere Praxis konnte in den späten 1980er Jahren in der Studie „Ärgernisse und Lebenskatastrophen“ als Formen alltäglicher Konfliktbearbeitung herausgearbeitet werden, die wesentlich auf Wiedergutmachung und pragmatische Abhilfe zielten. Die Ergebnisse einer kleinen Replikationsstudie zeigen, dass diese Alltagslogik weiterhin Bestand hat und dass in der Konfliktbearbeitung keine punitiven Muster zu finden sind. Ambivalenzen der Alltagsperspektive ergeben sich allerdings durch die Verbreitung von narrativen Artikulationen einer Alltagsgerechtigkeit, in denen ein Fehlverhalten unmittelbar in die Katastrophe führt. Diese Form poetischer Gerechtigkeit wird artikuliert, um soziale Ängste, Unsicherheiten und Disziplinierungsdruck zu bearbeiten, sie stellt keine Übernahme der Logik von Verbrechen & Strafe dar und bringt eher eine anti-institutionelle Haltung zum Ausdruck.

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Alltägliche Arbeit an Situationen sozialer Ausschließung als Konflikt um institutionalisierte Wohlfahrt verstehbar machen

Helga Cremer-Schäfer

Der Beitrag schlägt vor, alltägliche Kämpfe gegen soziale Ausschließung als situiertes Handeln mit einem erweiterten Begriff von (Reproduktions-)Arbeit und als Wohlfahrtsproduktion von unten verstehbar zu machen. Der durch Alltagsforschung geförderte Perspektivenwechsel kann (hoffentlich) das verdinglichende Vokabular von Devianz und Kriminalität überflüssig machen. Arbeit an Ausschließung wird nicht mehr als „Reaktion“ abgewertet, sondern als eigensinnige Arbeit an Partizipation verstehbar, die uns etwas über „stumme Kritik“ der Verhältnisse und „moralische Empörung“ im Alltag mitteilt.

 

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Verdinglichung von Alltag in der Bewährungshilfe und Eigensinn gegenüber risikoorientierter Rationalisierung Sozialer Arbeit

Jonathan Kufner-Eger

Die österreichische Bewährungshilfe konnte als strafrechtskritisches und relativ justizfernes Modell der Konfliktregelung institutionalisiert werden. Der Beitrag analysiert die heutige Straffälligenhilfe als Beispiel einer sich als risikoorientiert und steuernd positionierenden Sozialen Arbeit; er stellt die seit den 1980er Jahren bestehenden Kontinuitäten dar und benennt Kontinuitätsbrüche. Die aktuelle Praxis der Bewährungshilfe wird auf Grundlage zweier empirischer Studien aus alltagstheoretischer Perspektive diskutiert: Können die „abolitionistischen Zwillinge“, die Wiedervergesellschaftung von Konflikten und die Abschaffung von Gefängnissen, im beobachtbaren eigensinnigen „Unterleben des Personals“ Realität bleiben? Wie lässt sich unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen konfliktorientierte, strafrechtskritische Soziale Arbeit praktizieren?

 

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Risikoorientierte Bewährungshilfe und die lokalen Bearbeitungsstrategien von Bewährungshelfer*innen des Sicherheitsmanagements

Michael Zimmermann

Durch die Einführung der Fachbereiche Sicherheitsmanagement I und II und der Institutionalisierung der Risikoorientierung als neue Herrschafts- und Professionslogik verliert die Bewährungshilfe in Hessen etwas von ihrem Charakter als eine an Hilfe ausgerichtete Herrschaftsinstitution. In diesem Beitrag werden die durch Gruppendiskussionen sichtbar gewordenen lokalen Umgangsweisen von Bewährungshelfer*innen mit der Risikoreform dargestellt. Die Konflikt- und Alltagsperspektive zeigt, dass sich die Risikologik im Alltag der Bewährungshelfer*innen nicht konfliktlos durchsetzt und unter bestimmten Bedingungen ein ausschlusssensibles Unterleben herrschen kann.
jegliche Kritik seitens der Regierungsverantwortlichen immun geblieben ist.

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Tagungsbericht

Policing Resistance in Everyday Life – Ein Workshopbericht (Knopp & Thurn)

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Aktuelles

Von Artenschutz bis Ökozid: Kriminologische Anschlüsse im Anthropozän

Call for Papers zu einem KrimJ-Schwerpunktheft 1/2026

Das geplante Hef gibt Gelegenheit, kriminologische Zugriffsweisen auf die Themathik des Artensterbens und dabei auch grundsätzlich das Verhältnis der Kriminologie zum Naturschutz zu entwickeln.

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Wirtschafts- und Finanzkriminalität

Call for Papers zu einem KrimJ-Schwerpunktheft 4/2025

In Bertolt Brechts Dreigroschenoper findet sich die berühmte Passage: „Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank? Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?“

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Tagung 20. und 21. September 2024

50 Jahre Absage des 5. Deutschen Jugendhilfetages: Neue Zwäge - alte Potentiale?

„Die APO tanzte, die Reaktion kreischte und der Veranstalter distanzierte sich. So endete der
4. Jugendhilfetag 1970 in Nürnberg. Dieses Ende dokumentiert die Ohnmacht der etablierten Jugendhilfe, ihr ängstliches Schielen auf die der kapitalistischen Verfassung der BRD verpflichteten Politiker, die über weitere Subventionen der Jugendhilfeverbände zu entscheiden haben.“ (Kurt Sprenger 1974: Sozialarbeit und der 5. DJHT. In: Informationsdienst Sozialarbeit, Heft 6. Frankfurt: 35-38)

Tagung des Arbeitskreis Kritische Soziale Arbeit in Hamburg am 20. und 21. September 2024

 

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Center for interdisciplinary Crime Studies (CiCS)

Crime as a Process. Insights into the Dynamics of a Traveling Concept - Erste Tagung des CiCS

Am 04. und 05. Oktober 2024 findet unter dem Titel "Crime as a Process. Insights into the Dynamics of a Traveling Concept" die erste interdisziplinäre und internationale Tagung des "Center for interdisciplinary Crime Studies (CiCS)" an der Universität Siegen statt. Die Tagung ist zudem der öffentlich sichtbare und feierliche Auftakt für die Forschungsaktivitäten des Zentrums!

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„Erzählungen (in) der Kriminologie“

Tagung der Gesellschaft für interdisziplinäre wissenschaftliche Kriminologie (GiwK)

Aufruf zur Beitragseinreichung für eine von der Gesellschaft für interdisziplinäre Kriminologie (GiwK) organisierte Tagung „Erzählungen (in) der Kriminologie“, die nach aktueller Planung im März 2025 stattfinden soll.

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