Ausgabe Nr. 3/2017

 

Kriminologisches Journal Heft 3/2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt

 

Einsicht auf Umwegen? Reflexionen zu den Herausforderungen einer qualitativen Längsschnittuntersuchung zu Reintegrationsprozessen verurteilter Straftäter

Peter Rieker, Franz Zahradnik & Jakob Humm

Vor dem Hintergrund bestehender Forschungslücken hinsichtlich der Reintegrationsprozesse ehemaliger Straftäter werden in einer qualitativen Längsschnittstudie Desistance-Prozesse aus einer subjektiv-biographischen Sicht näher beleuchtet. Der Forschungsprozess ist jedoch durch diverse Herausforderungen geprägt, die die Möglichkeit entsprechender Einsichten in Frage stellen: Interviews sind durch spezifische Kontextfaktoren, durch die Motivation der Studienteilnehmer/innen und durch die Forschenden beeinflusst. Wenn diese Herausforderungen als Kontextbedingungen ernst genommen, offen gelegt und reflektiert werden, eröffnen sich, wenn auch auf Umwegen, zusätzliche Erkenntnismöglichkeiten zu Reintegrationsprozessen und zur Forschung in diesem Feld.

 

Legitimationsprobleme strafrechtlicher Kriminalpolitik. Zwischen Abschied vom Wohlfahrtsstaat, Verfassungsgebot der Resozialisierung und Sicherungsideologie

Heinz Cornel

Auf der Suche nach der Antwort darauf, was wohlfahrtsstaatliches Strafen sein könnte, wird dem Wandel unterschiedlicher Legitimationen der strafrechtlichen Kriminalpolitik, insbesondere freiheitsentziehender Rechtsfolgen nachgegangen. Es werden der Ursprung und die Entwicklung ‚wohlfahrtstaatlichen Strafens´ und dessen Abschied im strafrechtlichen Diskurs und der Praxis aufgezeigt, die Bezüge zum Verfassungsgebot der Resozialisierung mit dessen praktischer kriminalpolitischer und sozialpolitischer Relevanz hergestellt und schließlich auf Basis der Interpretation empirischer Daten zur Entwicklung der Sanktionen und anhand des kriminalpolitischen Diskurses erläutert, welche Bedeutung die Sicherungsideologie mit ihrer Reduktion auf Risikomanagement und ausgrenzendem Einschluss heute auch ohne Betonung der Straflust hat.

 

Gegenspieler oder Partner? Das Verhältnis von Türstehern und Polizei - Ergebnisse einer Ethnografie im Nachtleben in Deutschland

Christine Preiser

Der Artikel beschäftigt sich - ausgehend von empirischen Ergebnissen aus einer ethnografischen Studie zu Türstehern in Deutschland - mit der Frage nach dem Verhältnis von privaten und öffentlichen Sicherheitsakteuren im nächtlichen urbanen Raum. Die Kontrolle von Ärger ist zentraler Bezugspunkt in der Arbeit von Türstehern. Das Verhältnis von Türstehern zur Polizei - und auch zur Feldforscherin - wird davon bestimmt, wie sie diese in Bezug zu Ärger einordnen. Für das Verhältnis von privater und öffentlicher Sicherheit lassen sich daraus zwei Typen herausarbeiten: eine antagonisierende und eine kooperierende Sicherheitsstruktur.

 

Policing the Crisis. Zur Diskriminierung von Hooligans

Stefan Wellgraf

In "Policing the Crisis" diagnostizierten Stuart Hall und seine Mitautoren bereits in den 1970er Jahren die Etablierung einer Law-and-Order-Gesellschaft in Großbritannien. Ich übertrage die Forschungsperspektive der britischen Cultural Studies auf den Umgang mit den Fans des BFC Dynamo, die als stark von der Hooligan-Kultur der 1980er und 1990er Jahre geprägt gelten, und frage nach derzeitigen Konstellationen von miteinander verschränkten Ausgrenzungs- und Kriminalisierungsprozessen sowie populärkulturellen Praktiken und Selbstverortungen. Während bisher die Diskriminierung durch Hooligans im Mittelpunkt der Forschung stand, wende ich den Blick auf parallel dazu stattfindende Prozesse der Diskriminierung von Hooligans. Durch diese Perspektivenverschiebung lassen sich eine Reihe von problematischen Aspekten herausarbeiten: Die politische Herangehensweise wirkt populistisch und keineswegs sachgerecht, das polizeiliche Handeln erscheint durch ideologische Überschneidungen und vereinzelte personelle Rollenwechsel zwischen "Ordnungshütern" und "Gewalttätern" fragwürdig und die juristische Beurteilung als tendenziös und rechtlich anstreitbar.

 

Buchbesprechung

Karl-Ludwig Kunz/Tobias Singelnstein: Kriminologie. Eine Grundlegung, 7. grundlegend überarbeitete Auflage (Quensel)

 

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Aktuelles

Austausch von kriminologischen Literaturdaten vereinbart

Pressemitteilung: Austausch von kriminologischen Literaturdaten vereinbart

Das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) in Trier und die Kriminologische Zentralstelle (KrimZ) in Wiesbaden arbeiten künftig zusammen. Beide Einrichtungen verfügen über Literatur-Datenbanken, die für ihre Fachgebiete von großer Bedeutung sind – PSYNDEX für die Psychologie, KrimLit für kriminologisch-forensische Forschungsfragen. Die sorgfältige Angabe von Autoren, Schlagworten, kurzen Zusammenfassungen und weiteren Informationen ermöglicht es Nutzern, schnell relevante Literatur zu finden.

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CfP "KimJ-Schwerpunktheft 02/2018 - Auf dem Weg in die Pre-Crime Society?"

KrimJ-Schwerpunktheft 02/2018 - Auf dem Weg in die Pre-Crime Society? Analysen zur Vorfeldorientierung in Alltagskonstexten

Deadline: 30.09.2017

Call for Paper für das KrimJ-Schwerpunktheft 02/2018

 

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Stellenausschreibung Universität Bochum

Stellenausschreibung: Ruhr-Universität-Bochum

Wissenschaftliche Mitarbeiter(in) 3 Jahre - 65%

Zeitraum der Beschäftigung: 01.03.2017-28.2.2020

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CfP "Hass - eine interdisziplinäre Betrachtung gesellschaftlicher Zerwürfnisse"

Hass - eine interdisziplinäre Betrachtung gesellschaftlicher Zerwürfnisse

Zeitpunkt: 20.-22. März 2017, Ort: Kassel.

Deadline: 20.01.2017

Das Thema Hass als Ressentiment-Äußerung hat Konjunktur. In den
sozialen Medien überbieten sich Akteure unterschiedlichster Provenienz
mit Hasstiraden und Schmähungen gegen das vermeintliche
„Böse“. Wer in diese Mühle gerät, bleibt zumeist schutzlos zurück.
Zunehmend denken Politik und Justiz darüber nach, das Internet zu
regulieren und soziale Medien wie Facebook oder Google in die
Pflicht zu nehmen.

 

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CfP "Kriminologie des Visuellen. Ordnungen des Sehens und der Sichtbarkeit im Kontext von Kriminalitätskontrolle und Sicherheitspolitiken"

Kriminologie des Visuellen. Ordnungen des Sehens und der Sichbarkeit im Kontext von Kriminalitätskontrolle und Sicherheitspolitiken

Zeitpunkt: 22.-23. März 2018, Ort: Universität Bielefeld, ZiF

Deadline: 20.01.2017

Visualisierungen gelten als ein Hinweis auf Relevanz. Erst wenn etwas sichtbar gemacht wird, kann man sich davon „ein Bild machen“, es einordnen, deuten und bewerten. Und umgekehrt: Über die Deutung und Bewertung eines diskursiven Phänomens werden Sicht­barkeiten produziert und damit Bilder erzeugt, die weiterwirken, neue Sinn- und Ordnungs­angebote machen. Nicht ohne Grund wird von der „Macht der Bilder“ gesprochen. Dies gilt auch für die Thematisierung von Kriminalität und ihrer Kontrolle wie Beispiele spätestens seit dem 19. Jahrhundert zeigen: von der Rolle der Fotografie bei Bertillons Identifizierungs­system der ‚Verbrecherkartierung’ oder den Zeichnungen der geborenen Verbrecher und Verbrecherinnen bei Lombroso, über die Grafiken klassischer Theorien abweichenden Ver­haltens, ihre Kurvenbilder und Infographiken bis zu den modernen Kartierungen städtischer Problemgebiete, den digital erzeugten Hirnbildern, die die vermeintlich abweichenden Areale unserer Gedanken farblich aufzuzeigen versuchen, den Videobildern aus Überwachungs­kontexten und den Amateuraufnahmen von Gewalt im Internet. Visualität, Visualisierung und Sichtbarkeit berühren Kernthemen kriminologischer Aushandlungen.

 

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